Wenn der Alltag plötzlich nicht mehr alleine klappt Mama vergisst immer häufiger ihre Medikamente. Papa braucht morgens plötzlich Hilfe, um aus dem Bett zu kommen. Der Einkauf wird beschwerlicher, beim Duschen ist jemand dabei und die Treppe zur Wohnung wird jedes Mal zu einer kleinen Herausforderung. Vielleicht funktioniert noch vieles gut. Aber eben nicht mehr alles. Für Angehörige beginnt diese Veränderung oft schleichend. Man hilft hier ein bisschen, übernimmt dort eine Aufgabe und fährt etwas häufiger vorbei. Irgendwann stellt sich die Frage: Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, einen Pflegegrad zu beantragen? Ein Pflegegrad bedeutet nicht automatisch, dass ein Mensch „schwer pflegebedürftig“ ist oder nicht mehr zu Hause wohnen kann. Ganz im Gegenteil: Die Leistungen der Pflegeversicherung können dazu beitragen, dass ältere Menschen länger und sicherer in ihrer gewohnten Umgebung leben können und Angehörige Unterstützung bekommen. In diesem Ratgeber zeigen wir Ihnen, wie Sie einen Pflegegrad in Köln beantragen und wie der Weg vom ersten Antrag über die Begutachtung bis zur Einstufung grundsätzlich abläuft. Was ist ein Pflegegrad überhaupt? Der Pflegegrad beschreibt, wie stark die Selbstständigkeit eines Menschen im Alltag eingeschränkt ist. Dabei geht es nicht nur darum, ob jemand eine bestimmte Krankheit hat oder körperlich eingeschränkt ist. Auch geistige oder psychische Veränderungen können berücksichtigt werden. Entscheidend ist immer die Frage, wie gut ein Mensch seinen Alltag noch selbstständig bewältigen kann. (BMG) Was der Pflegegrad über den Alltag aussagt Bei der Begutachtung werden verschiedene Lebensbereiche betrachtet. Vereinfacht gesagt geht es zum Beispiel um Fragen wie: Kann die Person selbstständig aufstehen und sich in der Wohnung bewegen? Funktionieren Waschen, Anziehen, Essen und Trinken noch alleine? Werden Medikamente selbstständig und zuverlässig eingenommen? Kann sich die Person zeitlich und räumlich orientieren? Kann sie ihren Tagesablauf selbst gestalten? Wie gut funktionieren Gespräche und soziale Kontakte? Der Medizinische Dienst betrachtet dafür sechs Lebensbereiche: Mobilität, geistige und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, den Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte. (BMG) Das ist wichtig zu verstehen: Nicht das Alter allein und auch nicht der Name einer Erkrankung entscheiden über den Pflegegrad. Entscheidend ist, wie viel Selbstständigkeit im Alltag tatsächlich verloren gegangen ist. Die fünf Pflegegrade kurz erklärt Es gibt fünf Pflegegrade. Sie reichen von ersten Einschränkungen bis zu einer sehr weitgehenden Pflegebedürftigkeit: Pflegegrad Was bedeutet das? Pflegegrad 1 Die Person kommt größtenteils noch alleine zurecht, braucht aber bei einzelnen Dingen Unterstützung. Zum Beispiel fallen bestimmte Bewegungen schwer, der Alltag muss stärker organisiert werden oder bei einzelnen Aufgaben wird Hilfe benötigt. Pflegegrad 2 Die Selbstständigkeit ist deutlich eingeschränkt. Bei mehreren alltäglichen Dingen wird regelmäßig Hilfe benötigt wie zum Beispiel beim Waschen, Anziehen, bei der Mobilität oder beim Umgang mit Medikamenten. Vieles gelingt aber weiterhin selbstständig. Pflegegrad 3 Die Person braucht in vielen Bereichen des täglichen Lebens regelmäßig Unterstützung. Körperpflege, Anziehen, Bewegung oder andere alltägliche Aufgaben können häufig nicht mehr ohne Hilfe bewältigt werden. Pflegegrad 4 Ein großer Teil des Alltags kann nicht mehr selbstständig bewältigt werden. Die Person ist bei vielen grundlegenden Tätigkeiten auf umfangreiche Unterstützung angewiesen und benötigt entsprechend intensive Betreuung und Pflege. Pflegegrad 5 Die Selbstständigkeit ist sehr stark eingeschränkt und gleichzeitig stellt die Versorgung besondere Anforderungen. Die Person benötigt umfassende Unterstützung; Pflegegrad 5 betrifft besonders schwere Pflegesituationen. Je stärker die Einschränkungen sind, desto höher kann die Einstufung ausfallen. Dafür werden während der Begutachtung Punkte aus den verschiedenen Lebensbereichen ermittelt und unterschiedlich gewichtet. (BMG) Welche Leistungen und finanziellen Hilfen mit den einzelnen Pflegegraden verbunden sind, schauen wir uns in unseren weiteren Ratgebern noch ausführlicher an. Wann sollten Familien einen Pflegegrad beantragen? Viele Familien warten sehr lange, weil die betroffene Person ihren Alltag scheinbar noch irgendwie bewältigt. Doch schauen Sie einmal genauer hin: Wie viel davon funktioniert tatsächlich noch alleine und wie viel funktioniert nur, weil die Familie inzwischen mithilft? Hinweise können zum Beispiel sein: Die Körperpflege oder das Anziehen werden zunehmend schwierig. Treppen oder Wege innerhalb der Wohnung werden zum Problem. Medikamente werden vergessen oder müssen vorbereitet werden. Einkaufen, Kochen oder andere alltägliche Aufgaben funktionieren nicht mehr zuverlässig. Gedächtnis und Orientierung lassen nach. Termine müssen organisiert oder begleitet werden. Angehörige übernehmen immer häufiger Aufgaben. Gerade der letzte Punkt wird leicht übersehen. Vielleicht fahren Sie inzwischen dreimal pro Woche zu Ihrer Mutter, erledigen den Einkauf, stellen die Medikamente bereit und helfen beim Duschen. Für Sie fühlt sich das irgendwann wie ein normaler Teil der Woche an. Für die Beurteilung des Pflegebedarfs sind solche Hilfen aber wichtig. Warten Sie deshalb nicht, bis gar nichts mehr geht. Wenn regelmäßig Unterstützung notwendig wird, ist es sinnvoll, sich mit dem Thema Pflegegrad auseinanderzusetzen. Der Weg zum Pflegegrad: vom Antrag bis zum Bescheid Auf den ersten Blick wirkt das Verfahren kompliziert. Im Grunde lässt sich der Weg aber auf fünf Stationen herunterbrechen: 1. Pflegebedarf erkennen 2. Antrag stellen 3. Begutachtung vorbereiten 4. Begutachtung 5. Bescheid erhalten und prüfen Schritt 1: Den Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen Der erste offizielle Schritt ist der Antrag bei der Pflegekasse der betroffenen Person. Die Pflegekasse ist bei der jeweiligen Krankenkasse angesiedelt. Ein Antrag kann zunächst sogar telefonisch gestellt werden. Angehörige oder andere Vertrauenspersonen können ihn ebenfalls übernehmen, wenn sie entsprechend bevollmächtigt sind. Nach Eingang des Antrags beauftragt die Pflegekasse in der Regel den Medizinischen Dienst oder eine andere unabhängige Gutachterin beziehungsweise einen unabhängigen Gutachter mit der Feststellung der Pflegebedürftigkeit. Bei privat Versicherten erfolgt die Begutachtung über Medicproof. (BMG) Wie Sie dabei konkret vorgehen und was nach dem ersten Kontakt mit der Pflegekasse passiert, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber „Pflegegrad beantragen in Köln: Die 5 wichtigsten Schritte vom Erstantrag bis zum Kassenbescheid“. Schritt 2: Auf die Begutachtung vorbereiten Nach dem Antrag folgt die Begutachtung. Für viele Familien ist genau dieser Termin mit Unsicherheit verbunden. Schließlich kommt eine fremde Person und soll innerhalb eines Termins einschätzen, wie selbstständig Mutter, Vater oder Partner im Alltag tatsächlich noch ist. Wichtig ist deshalb vor allem eines: Zeigen Sie den Alltag so, wie er wirklich ist. Viele ältere Menschen möchten verständlicherweise zeigen, was sie noch können. Sätze wie „Das geht schon“ oder „Ich brauche eigentlich keine Hilfe“ fallen schnell – auch
Ambulante Pflege und Seniorenbetreuung Köln: Der umfassende Ratgeber für Familien
Es beginnt meist schleichend. Beim wöchentlichen Besuch bei den Eltern in Weiden fällt auf, dass der Kühlschrank überraschend leer ist. Die Mutter, die ihre Besorgungen bisher immer selbst auf der Aachener Straße erledigt hat, geht kaum noch vor die Tür. Oder der Vater in Braunsfeld kommt eigentlich noch gut im gewohnten Umfeld zurecht – nur die Medikamente werden immer häufiger vergessen, und das Duschen fällt zunehmend schwer.
Solche Veränderungen werfen für Familien im Kölner Westen viele Fragen auf: Wie viel Hilfe braucht Mama oder Papa wirklich? Was können wir als Angehörige selbst auffangen? Und wie lässt sich Unterstützung organisieren, ohne Eltern oder Partnern unnötig ihre Selbstständigkeit zu nehmen?