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Pflegegrad-Einstufung verstehen: Diese 6 Lebensbereiche entscheiden über den Pflegegrad

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„Meine Mutter kann doch noch laufen – kann sie dann überhaupt einen Pflegegrad bekommen?“

Diese Frage hören Familien immer wieder. Denn beim Pflegegrad denken viele zuerst daran, ob jemand noch alleine gehen, sich waschen oder anziehen kann.

Für die Pflegegrad-Einstufung wird aber viel genauer hingeschaut. Entscheidend ist, wie selbstständig ein Mensch seinen Alltag insgesamt noch bewältigen kann. Dabei werden körperliche Einschränkungen ebenso berücksichtigt wie geistige oder psychische Beeinträchtigungen.

Für die Begutachtung werden sechs Lebensbereiche, sogenannte Module, betrachtet. Aus der Bewertung entsteht ein Gesamtpunktwert, der schließlich über den Pflegegrad entscheidet.

1. Mobilität: Wie selbstständig kann sich die Person bewegen?

Hier geht es um die körperliche Beweglichkeit.

Kann Ihre Mutter beispielsweise selbstständig aus dem Bett aufstehen? Kann Ihr Vater seine Position im Bett verändern, sicher sitzen oder Treppen steigen?

Entscheidend ist dabei nicht einfach, ob jemand noch laufen kann. Betrachtet wird, wie selbstständig bestimmte Bewegungen tatsächlich möglich sind und ob dafür die Hilfe einer anderen Person notwendig ist.

Gewichtung für die Pflegegrad-Einstufung: 10 Prozent.

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten

Dieser Bereich wird besonders wichtig, wenn beispielsweise Gedächtnisprobleme oder eine Demenzerkrankung eine Rolle spielen.

Kann die Person sich zeitlich und örtlich orientieren? Erkennt sie vertraute Menschen? Kann sie Entscheidungen im Alltag treffen, Gefahren erkennen und ihre Bedürfnisse verständlich mitteilen?

Das zeigt auch, warum eine rein körperliche Betrachtung beim Pflegegrad zu kurz greifen würde.

Ein Mensch kann beispielsweise noch gut laufen und sich selbst anziehen – gleichzeitig aber aufgrund starker Orientierungsprobleme im Alltag regelmäßig Unterstützung benötigen.

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen

Auch bestimmte Verhaltensweisen und psychische Belastungen können dazu führen, dass regelmäßig Hilfe notwendig wird.

Dazu gehören beispielsweise nächtliche Unruhe, starke Ängste, aggressives Verhalten oder Situationen, in denen eine Person immer wieder Unterstützung benötigt, um sich zu beruhigen oder ihren Alltag sicher zu bewältigen.

Wichtig: Die Bereiche 2 und 3 werden jeweils bewertet. Für die Berechnung des Pflegegrades wird anschließend jedoch nur der höhere der beiden gewichteten Werte berücksichtigt.

Gemeinsam fließen sie deshalb mit maximal 15 Prozent in die Gesamtbewertung ein.

4. Selbstversorgung: Was klappt bei der täglichen Pflege noch alleine?

Dieser Bereich hat mit 40 Prozent die größte Gewichtung.

Hier wird beispielsweise betrachtet, wie selbstständig die betroffene Person sich waschen, duschen, an- und ausziehen sowie essen und trinken kann.

Gerade hier lohnt sich ein ehrlicher Blick auf den Alltag.

Vielleicht kann Ihr Vater sich grundsätzlich noch selbst anziehen – aber jemand muss jeden Morgen die Kleidung herauslegen und beim Anziehen der Schuhe helfen. Oder Ihre Mutter kann selbst essen, das Essen muss jedoch vorbereitet und mundgerecht bereitgestellt werden.

Solche Unterschiede sind für die Bewertung wichtig.

5. Umgang mit Krankheit, Medikamenten und Therapien

Viele ältere Menschen können zahlreiche Dinge im Alltag noch selbst erledigen und benötigen trotzdem regelmäßig Unterstützung aufgrund einer Erkrankung.

Wer stellt die Medikamente zusammen? Muss jemand an die Einnahme erinnern? Sind Verbandswechsel notwendig? Müssen Blutzuckerwerte kontrolliert oder Arztbesuche begleitet werden?

In diesem Modul wird betrachtet, wie selbstständig die betroffene Person mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen umgehen kann.

Dieser Bereich zählt zu 20 Prozent.

6. Gestaltung des Alltags und soziale Kontakte

Wie selbstständig kann ein Mensch seinen Tagesablauf gestalten?

Kann Ihre Mutter selbst entscheiden, was sie morgens oder nachmittags tun möchte? Kann Ihr Vater seinen Tag strukturieren und Kontakt zu anderen Menschen halten? Oder braucht es regelmäßig jemanden, der Orientierung gibt, Aktivitäten anstößt oder bei der Planung hilft?

Auch diese Fähigkeiten gehören zur Selbstständigkeit und fließen mit 15 Prozent in die Pflegegrad-Einstufung ein.

Nicht jede Einschränkung zählt gleich stark

Die sechs Lebensbereiche machen deutlich: Bei der Pflegegrad-Einstufung geht es nicht um eine einzelne Krankheit und auch nicht darum, wie alt jemand ist.

Entscheidend ist das Gesamtbild.

Die Ergebnisse der einzelnen Bereiche werden unterschiedlich gewichtet und anschließend zu einem Gesamtpunktwert zusammengeführt. Dieser Punktwert bildet die Grundlage für die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade.

Deshalb kann auch dieselbe Diagnose bei zwei Menschen zu unterschiedlichen Pflegegraden führen. Entscheidend ist immer, wie stark die Selbstständigkeit im individuellen Alltag tatsächlich eingeschränkt ist.

Wie die fünf Pflegegrade aufgebaut sind und was nach der Einstufung passiert, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber „Pflegegrad beantragen in Köln: Vom Antrag bis zur richtigen Einstufung“.

Der Alltag ist wichtiger als die perfekte Antwort

Vor einer Pflegebegutachtung müssen Familien keine Fachbegriffe lernen.

Viel wichtiger ist, den tatsächlichen Alltag im Blick zu haben: Wo klappt etwas noch alleine? Wo wird erinnert, vorbereitet, begleitet oder ganz übernommen?

Gerade kleine Hilfen werden schnell selbstverständlich und deshalb bei Gesprächen vergessen.

Unser Tipp: Beobachten Sie den Alltag einige Tage ganz bewusst. Ein Pflegetagebuch kann dabei helfen, wiederkehrende Unterstützung sichtbar zu machen und nichts Wichtiges aus dem Blick zu verlieren.

Wie Sie ein solches Pflegetagebuch sinnvoll führen, zeigen wir Ihnen im nächsten Beitrag dieser Reihe.

Fragen zum Pflegegrad? Wir haben ein offenes Ohr für Sie.

Pflegegrad, Begutachtung, Pflegekasse – gerade am Anfang kommen viele neue Begriffe und Fragen auf einmal zusammen.

Der Pflegedienst Geller begleitet Familien im Kölner Westen bei Fragen rund um die häusliche Pflege und hilft Ihnen dabei, die nächsten Schritte zu sortieren.

Ob Lindenthal, Braunsfeld, Junkersdorf, Weiden, Lövenich, Müngersdorf oder Sülz: Sprechen Sie mit uns. Gemeinsam schauen wir, welche Unterstützung zu Ihrer Situation passt.

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Timija Medghalchi

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